12. Dezember: Vater und Sohn – Eine Erfolgsgeschichte

Geschrieben von Dagmar Papic am 12. Dezember 2009 | Abgelegt unter Fundstücke, im Advent

der-schlechte-hausaufsatz1Kurz vor dem Jahreswechsel 1934/35 wurde in der Berliner Illustrirten Zeitung die erste Bildgeschichte mit „Vater und Sohn“ veröffentlicht. Insgesamt 157 Geschichten folgten in den nächsten drei Jahren. Die Abenteuer der beiden Figuren haben seitdem ein Millionenpublikum unterhalten. In Buchform erschienen die Bildgeschichten zunächst bei Ullstein, ab 1949 dann beim Südverlag Konstanz. Der Erfinder und Zeichner der Figuren Erich Ohser alias e.o. plauen starb 1944.

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Der politische Karikaturist für den sozialdemokratischen ‚Vorwärts’ konnte nach 1933 kaum noch publizieren. Die ‚Vater und Sohn’-Bildgeschichten erschienen unter dem Pseudonym e.o. plauen, zusammengesetzt aus den Initialen und Ohsers Heimatstadt im Vogtland. Der Rückzug auf die vordergründig unpolitische Vater-Sohn-Beziehung spiegelt seine innere Emigration wieder. Der große Erfolg der Bildergeschichten führte jedoch dazu, dass nicht nur die beiden Figuren, sondern auch Ohser selbst mit Sohn Christian in die Propaganda-Maschinerie der Nationalsozialisten einbezogen wurden. Ohser beendete die Bilderserie im Jahr 1937. Später arbeitete er für die Wochenzeitung ‚Das Reich’, wo er Deutschlands Kriegsgegner karikierte. Trotz dieser Tätigkeit für das journalistische Vorzeigeprojekt der NS-Diktatur wurde ihm seine kritische Haltung zum Verhängnis: Ohser war schwerhörig und sprach daher sehr laut. Ein Nachbar denunzierte ihn nach einer mitgehörten Unterhaltung im Luftschutzkeller. In der Nacht vor der Gerichtsverhandlung nahm sich Erich Ohser das Leben.
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Die heutigen Fans der Bildgeschichten wissen selten etwas vom düsteren Hintergrund der lustigen Episoden. Sie kennen den gutmütigen Vater und den frechen Sohn zumeist aus Grundschul-Lehrbüchern. Dort werden die Zeichnungen als kreative Schreibanlässe für die ersten eigenen Aufsätze eingesetzt: die Bildgeschichten verzichten nahezu vollständig auf Text – paradoxerweise macht sie gerade das zum gelungenen Einstieg in die Welt des Lesens und Schreibens.

www.vaterundsohn.de

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